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Den Juli hat die Ostthüringer Tageszeitung (OTZ) unlängst zum Themenmonat "Leumnitz, Pforten, Collis, Trebnitz" ausgerufen. Mehr als hübsche Bilder und eine paar harmlose Artikel sind dabei allerdings nicht herausgesprungen. Nur das Colliser Gast- und Tourismusgewerbe durfte sich über ein wenig kostenlose Werbung freuen.Doch in den Randgemeinden der Stadt brodelt die Volksseele. Der Burgfrieden der BUGA ist längst verflogen. Die jahrelange Vernachlässigung durch die Stadtväter offenbart tiefe Risse im Gemeinschaftsgefüge. Tatenlosigkeit und fehlende Zusagen schüren den offenen Konflikt. In Großfalka, Söllmnitz, Cretzschwitz und anderen kleinen Gemeinden mehren sich die Stimmen, die ein Ende der städtischen Zugehörigkeit fordern. Allein richterliche Beschlüsse hindern die Gemeinderäte daran, die Zwangsehe zu beenden. Keine gute Basis für eine gemeinsame Zukunft. Auch beim jüngsten OTZ-Stammtisch, der am 14. Juli 2010 im Gewerbegebiet an der Beerenweinschänke stattfand, bemühten die Vertreter der Stadt wieder einmal die alte Leier vom leeren Stadtsäckel. Verständnis ja, Abhilfe nein. Man baut auf das Prinzip Hoffnung und privates, freiwilliges Engagement. Von partnerschaftlichem Umgang auf Augenhöhe spricht man in den Ortschaften des Geraer Umlands schon lang nicht mehr. Man fühlt sich allenfalls als Lückenfüller in Sachen Bevölkerungsschwund und Schauplatz städtischer Expansionsfantasien: Trotz hoher Abwanderung darf Gera den Status "Oberzentrum" behalten und entsprechende Finanzmittel beantragen. Unter anderem dank des Einwohnerzugewinns im Rahmen der Eingemeindungen. Die Gemeinden haben das Nachsehen. Die Erschließung von Gewerbeflächen schreitet kontinuierlich voran. Doch die Ansiedlung von Gewerbe scheitert - wie so oft - an bürokratischen Hürden oder am sprichwörtlichen "Amtsschimmel". Kein seltenes Phänomen, aber typisch für Gera. Als Guido Westerwelle in der aktuellen Spardebatte Hartz-IV-Beziehern altrömische Dekadenz vorwarf, erntete er dafür heftige Kritik, zu Recht. Doch in Gera scheint der Vergleich angebracht. Während in den "vergessenen Dörfern" Schulen und Kindergärten verwaisen, Straßen verfallen und Teiche verkommen, jonglieren die Kämmerer mit Hebesätzen für Grund- und Gewerbesteuern, um neue städtische Prestigeprojekte - wie Kunsthaus und Straßenbahn-Linien - zu finanzieren. Auch in den Provinzen Roms kam es in den letzten Jahren seines Bestehens wiederholt zu Revolten. Doch der Zerfall des Imperiums begann im Inneren. Korruption und Ignoranz dominierten das politische Handeln. Brot und Spiele wurden auf Pump finanziert, während den Menschen in den besetzten Gebieten das letzte Habe abgepresst wurde. Ein Leben über die Verhältnisse. Wiederholt sich Geschichte? Auf den Themenseiten der OTZ findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem Krisenmanagement der Stadt allenfalls am Rande, in Kommentaren und Leserbriefen statt oder verhallt in zaghaften Nebensätzen. Stattdessen Friede, Freude, Eierkuchen - hübsche Bilder und harmlose Artikel. Posted from my iPhone using J Admin Mobile!
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| Aktualisiert ( Sonntag, 25. Juli 2010 um 01:33 ) | |||
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